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Amphotericin B als kolloidale Dispersion (Amphocil®) stellt eine äquimolare Mischung von Amphotericin B und Cholesterylsulphat dar. Amphocil hat eine scheibenartige Struktur und weist eine Zwei-Kompartiment-Pharmakokinetik auf. Nach der Infusion wird Amphocil vom retikuloendothelialen System schnell aus dem Blut entfernt und anschließend erneut in die Zirkulation freigesetzt. Verglichen mit konventionellem Amphotericin B sind die Spitzenspiegel von ABCD niedriger. ABCD erzielt hohe Konzentrationen in der Leber, die Konzentrationen in Niere, Milz, Hirn und Lunge sind allerdings niedriger als die von konventionellem Amphotericin B.
Der antimykotische Wirkmechanismus und die Empfindlichkeit sind dem konventionellen Amphotericin B vergleichbar. Präklinische toxikologische Untersuchungen zeigten, dass ABCD 5- bis 19mal höher im Vergleich zu Amphotericin B-Desoxycholat dosiert werden kann. Phase I/II Studien wiesen eine Effektivität gegen Coccidioidomykosen, Candida spp und Aspergillus spp bei Dosierungen zwischen 1 und 7 mg/kg/Tag nach.
Zulassungsstatus: Amphocil® ist in Deutschland nicht zugelassen. Hersteller ist Sequus Pharmaceuticals (Menlo Park, CA, USA).
Dosierung: Die gebräuchlichen Dosierungen betragen 3 - 6 mg/kg intravenös, Dosierungen bis 7,5 mg/kg sind als sicher beschrieben worden.
Daten aus Studien: Die verfügbaren Daten über Amphocil® weisen auf eine vergleichbare Effektivität gegenüber konventionellem Amphotericin B hin (20). In einer randomisierten Studie bei febriler Neutropenie in der Pädiatrie wurde Amphotericin B mit ABCD (5 Dosisstufen) verglichen. Im Vergleich mit konventionellem Amphotericin B wurde eine signifikant geringere Nephrotoxizität beobachtet (12,0 % vs. 52,4 %) (19).
Die Effektivität von ABCD bei invasiver Aspergillose wird nach ersten Daten bei wahrscheinlicher oder gesicherter Erkrankung mit einem Ansprechen von 48,8 % beschrieben (25).
In einer doppelblinden randomisierten Studie wurde die Effektivität von ABCD bei febriler Neutropenie unbekannter Ursache gegenüber konventionellem AmB geprüft. Die Effektivität war in beiden Armen vergleichbar (50,0 % vs. 43,2 %). Während die Nephrotoxizität im ABCD-Arm signifikant geringer ausfiel, war die Rate der infusionsassoziierten Nebenwirkungen im Kontrollarm höher (26).
Die optimale Dosierung von ABCD ist derzeit nicht definiert. Eine offene Studie von Oppenheim berichtet über Erfahrungen bei Patienten, die in den letzten 7 Tagen auf konventionelles Amphotericin B versagt oder Nebenwirkungen erfahren hatten. Die Patienten wurden mit bis zu 6 mg/kg ABCD bei gesicherten oder vermuteten Organmykosen behandelt. Eine komplette Remission oder eine Verbesserung wurde bei 28,6 % der Patienten nach einer mittleren Behandlungsdauer von 18,5 Tagen dokumentiert. Dabei kam es nur zu einer geringen Änderung des Serum-Kreatinins (< 0,02 mg/dl) und einer Hypokaliämie bei 5 % der behandelten Patienten (14).
Die subjektive Verträglichkeit von ABCD und ABLC ist schlechter als die des liposomalen Amphotericin B. Relativ hohe Inzidenzen von drug fever und Schüttelfrost, insbesondere in den ersten Behandlungstagen, wurden berichtet. Die Häufigkeit infusionsabhängiger Nebenwirkungen im Rahmen einer Pilzprophylaxe wurde in bis > 90 % aller Fälle beobachtet. Bei 8 von 16 Patienten musste die Prophylaxe aus diesem Grund vorzeitig beendet werden. Dies führte letztlich zum Abbruch der erwähnten Studie (21).
Autor: Meinolf Karthaus, München
Letzte Aktualisierung: 25.11.2009